4. März 2026
Berufungsverfahren für Professuren strategisch meistern
Wer eine wissenschaftliche Karriere verfolgt, wird sich früher oder später einem Berufungsverfahren stellen müssen. Gerade bei Professuren herrscht oft große Unsicherheit. Ausschreibungen sind selten, der Erwartungsdruck hoch. Für viele Kandidatinnen und Kandidaten ist ein Hearing kein Routineverfahren. Der Aufwand ist entsprechend groß.
Ich habe viele Jahre im wissenschaftlichen Umfeld gearbeitet, Berufungsverfahren begleitet und selbst mitgestaltet. In den letzten Jahren habe ich zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für diesen Karriereschritt strategisch vorbereitet. Daraus lassen sich einige zentrale Prinzipien ableiten.
1. Wagen Sie den Schritt
Bewerben Sie sich. Viele der Ausschreibungen sind fachlich spezifisch und klar umrissen. Die Zahl der Bewerbungen oft überschaubar. Wer das weiß und sich zusätzlich auch noch gut positioniert, erhöht natürlich seine Chancen.
Gehen Sie systematisch vor. Analysieren Sie das Ausschreibungsprofil Satz für Satz. Fragen Sie sich:
• Welche strategischen Ziele verfolgt die Einrichtung?
• Welche Probleme soll die neue Professur lösen?
• Welche Erwartungen stehen zwischen den Zeilen?
Bringen Sie Ihre Stärken mit diesen Anforderungen in Deckung. Gleichen Sie Ihr Profil strukturiert ab:
• Forschung
• Lehre
• Drittmittel
• Führung
• im medizinischen Bereich zusätzlich häufig Klinik und Organisation
Auch Nachwuchsförderung und Diversity Management spielen meistens eine Rolle. Bereiten Sie jeden Bereich konkret vor. Arbeiten Sie mit Zahlen, Beispielen und klaren Entwicklungsperspektiven.
2. Hearing vorbereiten: Verstehen Sie Strategie und Umfeld
Ein Hearing ist kein isolierter Fachvortrag. Es ist ein Zukunftsgespräch. Die Kommission prüft nicht nur Ihre wissenschaftliche Leistung. Sie prüft auch, welche Rolle Sie in der zukünftigen Entwicklung der Einheit spielen können.
Recherchieren Sie daher gründlich:
• strategische Programme der Universität oder Forschungseinrichtung
• aktuelle Entwicklungsfelder des Departments
• bestehende Kooperationen und Netzwerke
• strukturelle oder politische Spannungsfelder
Zeigen Sie, wo und wie Sie anschlussfähig sind. Ihre Präsentation greift Themen auf, die für die Institution wichtig sind. Sie würdigen bestehende Leistungen und zeigen, wie Sie diese weiterentwickeln. Verbinden Sie Bestehendes mit neuen Impulsen.
3. Macht und Entscheidungsdynamik im Berufungsverfahren
Berufungsverfahren folgen formellen Regeln. Gleichzeitig spielen Macht und Interessen eine Rolle.
Typische Faktoren sind:
• Einfluss innerhalb der Fakultät bzw. des Instituts
• Nachfolgeregelungen
• Ressourcenverteilung
• Netzwerke
• strategische Allianzen
Diese Dimension zeigt sich oft bereits in der Ausschreibung. Ignorieren Sie das nicht. Reflektieren Sie es bewusst.
Fragen Sie sich:
• Wem nützt meine Berufung strategisch?
• Welche Kooperationen kann ich real anbieten?
• Wo schaffe ich Mehrwert für bestehende Strukturen?
Wer diese Ebene erkennt, tritt in Folge deutlich souveräner auf.
4. Ihr Auftritt im Hearing: Narrativ, Haltung und Wirkung
Die Verfahren sind so gut wie immer formal geregelt. Dennoch bleibt Spielraum.
Sie gestalten:
• Ihr Narrativ
• Ihre Schwerpunktsetzung
• Ihre Vorstellung von Führung
• Ihren Umgang mit kritischen Fragen
Zeigen Sie nicht nur Ihre Expertise. Zeigen Sie auch, wie Sie denken und wie Sie gestalten wollen.
Ein überzeugendes Hearing verbindet mehrere Ebenen:
• fachliche Qualität
• strategische Perspektive
• persönliche Glaubwürdigkeit
5. Sieben typische Fehler im Professur-Hearing
Viele Hearings scheitern nicht an der wissenschaftlichen Qualität, sondern an strategischen Fehlern.
Die häufigsten sind:
1. Zu viel Fachdetail
Der Vortrag verliert sich in Spezialfragen. Die Kommission erkennt nicht, welche Vision Sie für das Fach oder die Forschungseinrichtung haben.
2. Keine klare Zukunftsperspektive
Sie berichten über Vergangenes, aber nicht darüber, wohin Sie Forschung, Lehre, Finanz- und Organsationsstrukturen entwickeln wollen.
3. Fehlende Anschlussfähigkeit
Ihr Konzept steht isoliert. Es zeigt nicht, wie es zu bestehenden Strukturen und Kooperationen passt.
4. Unklare Führungsrolle
Eine Professur bedeutet auch Führung. Wenn Ihre Vorstellung von Teamführung, Nachwuchsförderung oder Organisation von Prozessen unklar bleibt, entsteht potenziell Skepsis.
5. Defensive Reaktion auf kritische Fragen
Kritische Fragen gehören zum Verfahren. Wer defensiv reagiert oder sich in Rechtfertigungen verfängt, verliert schnell an Souveränität.
6. Unterschätzung der Entscheidungsdynamik
Manche Kandidatinnen und Kandidaten konzentrieren sich nur auf sachlich-fachliche Inhalte und übersehen strategische Interessen sowie Ihre persönliche Wirkung und Überzeugungskraft durch ihren gut vorbereiteten Auftritt.
7. Fehlende Dramaturgie des Vortrags
Der Vortrag enthält viele gute Inhalte, aber keine klare Struktur. Die zentrale Botschaft bleibt unklar. Ein gut durchdachtes Gesamtkonzept bringt alle ihre Stärken in Einklang mit den Erfordernissen und damit ins richtige Rampenlicht.
Strategische Vorbereitung auf Ihr Berufungsverfahren
Wenn Sie sich auf eine Bewerbungseinreichung oder ein Hearing vorbereiten, begleite ich Sie gerne.
Ich unterstütze Sie bei:
• Analyse der Ausschreibung
• Schärfung Ihres Bewerbungsprofils
• Struktur und Dramaturgie Ihres Hearings
• Vorbereitung Ihres Auftritts (Sprache, Körpersprache, Wirkung)
• Simulation kritischer Fragen
• Reflexion der Entscheidungsdynamik im Verfahren
Sie erhalten ehrliche und absolut vertrauliche Rückmeldungen zu Ihren Vorbereitungen auf Ihr Berufungsverfahren. Für weitere Informationen kontaktieren Sie nextCEO.
